Ein Gang durch das ehemalige Lockstedter Lager


Erstmalig findet das spätere Lockstedter Truppenübungsplatzgelände 1846 Erwähnung, als das Holstein-Lauenburgische Kontingent in der Zeit vom 22.September bis 04.Oktober hier ein Feldlager abhielt. Das zweite Lager, 1865 von den preußischen Besatzungstruppen im Zeitraum 01.Au­gust bis 03.September abgehalten, diente ausschließlich der Erprobung eines stehenden Lagers. Nach dem Abmarsch der Truppen werden alle für das Lager aufgebauten Einrichtungen versteigert und entfernt.

Alfred Nobels Erfindungen revolutionierten die Schießpulver- und Sprengstofftechnik, was nicht nur der Artillerie die Steigerung der üblichen Höchstschußweiten ermöglichte, sondern diese auch zwangen sich nach größeren Schießplätzen umzusehen.Der gelegentlich genutzte Schießplatz Loher Heide südlich von Rendsburg konnte nicht erweitert werden. Seit Juli 1870 suchte eine Kommission in Schleswig-Holstein nach geeignetem Gelände und wurde schließlich südlich von Lockstedt fündig, dabei war die Nähe der Bahnhöfe Wrist und Itzehoe mit entscheidend. Im August wurde eine Schießbahn von 1.600 Metern Länge und 1.000 Metern Breite vermessen. Darauf folgte im September in Norddeutschland die Ausschreibung für den Bau eines Lagers mit 46 Mannschaftsbaracken, 10 Pferdeställen, 4 Küchen, 1 Verwaltungsgebäude und 1 Offiziersspeiseanstalt.

Der Bau des Lagers begann im Dezember 1870, die Bauabnahme erfolgte im Januar 1871 unter Hinweis, daß das Lager für die Aufnahme von bis zu 5.000 französischen Kriegsgefangenen vorzubereiten sei. Sämtliche Pferdeställe wurden zusätzlich als provisorische Unterkunft hergerichtet, der erste Gefangenentransport traf am 21.Januar ein. Mit Ausnahme von 82 Kranken wurden die Franzosen bis April über Glückstadt nach Hause transportiert, im Lager begann die Wiederherstellung der Baracken und Ställe. Erstes Artillerieschießen auf dem Schießplatz 26.Juni 1872, letztes Schießen am 22.Januar 1920.

Das Lager wurde begrenzt durch die Südstraße (Bahnhofstraße), Weststraße (Schäferweg), Podbielski Allee (Birkenallee) und Kieler Chaussee (Kieler Straße).

An der Breiten Straße sind die meisten ehemaligen Militärbauten konzentriert, hier beginnt der Rundgang. Ecke Kieler Straße/Breite Straße die Garnisonsverwaltung (1) auch Poststelle, Wache und Arrestlokal, später Verwaltungsgebäude für das Durchgangslager.

Ein Blickfang, die wieder aufgebaute Lageruhr. (2) 1911 gebaut, das Uhrwerk 1947 ausgebaut, der Turm 1950 abgerissen, Teile der Uhr waren in der Lohmühle eingelagert, wo Walter Rudolph in den siebziger Jahren die Überreste fand und bezüglich des Herstellers Nachforschungen anstellte, wodurch die spätere Restaurierung möglich wurde. Die Uhr stand in der Finnischen Allee.

Die Leutnantsbaracken (3) gebaut 1901 konnten 24 Offiziere und 28 Mannschaften aufnehmen, die Offiziersbaracken von 1914, beherbergten bis zu 156 Lehrgangsteilnehmer oder entsprechende Dienstgrade. Gegenüber dem Kasino stand die 1898 gepflanzte Doppeleiche und der Gedenkstein zur Erinnerung an die 50. Wiederkehr der Erhebung gegen Dänemark. Das Offizierskasino (4) ist im Kern das älteste militärische Gebäude, gebaut 1871, saniert 1872, renoviert 1874, vergrößert 1884, 1899 noch einmal umgebaut, diente bis 1920 als Speiseanstalt, danach als Gaststätte und Supermarkt. Auf der gleichen Straßenseite die alte Stabsbaracke.

Das Gebäude auf der Westseite der Mittelstraße/Ecke Breite Straße diente ausschließlich MG-Einheiten (5) als Unterkunft. Folgt man der Breiten Straße bis zum Schäferweg, so ist auf der linken Seite der ehemalige Block III, dahinter die Küche / Kantine Nummer 7. Im weiteren Verlauf auf der linken Seite (6) das ehemalige Proviantamt und drei Häuser, die 1899 vom Fiskus gekauft und von Inspektoren des Neben Artillerie Depots bewohnt wurden. An der Kreuzung Schäfer­weg / Bückener Weg steht auf der linken Seite (7) die ehemals erste Großschlachterei des Bezirks Itzehoe, sie belieferte die Küchen des Übungsplatzes. Gegenüber stehen zwei als Futterscheunen (8) genutzte Gebäude.

Würde man der Deutsch-Ordens-Straße folgen, dann sähe man links Gebäude der Munitionsanstalt und den Wall des Fremdpulver Magazins. (25) In den Gebäuden rechts werden Sturmlaternen hergestellt. Dann kommt das ehemalige Verwaltungsgebäude der Heeresmunitionsanstalt und eine alte Wehrmachtsbaracke.

Geht man aber die Breite Straße zurück und biegt in die Finnische Allee ein, liegen links Massiv Baracken. (9) Baujahr 1912-1914. In jedem Block konnten 238 bis 346 Mann untergebracht werden. Dies waren die Blocks, in denen finnische Freiwillige kaserniert waren. In M1 befindet sich jetzt das KunstHaus Boskamp. Es ist Samstags und Sonntags von 1400 - 1800 Uhr oder nach Vereinbarung geöffnet. Informationen zu den laufenden Ausstellungen können über Telefon unter 04826-850110 abgerufen werden.

Auf der rechten Straßenseite die ehemaligen Küchen Nummer 5 (Kommandanturkantine) und Nummer 4 mit dem alten Wachgebäude. (10) Gegenüber dem alten Wachgebäude ist die Mannschaftsbaracke 47. (11) 1885 gebaut und für eine Belegung mit 84 Mann vorgesehen. Schaut man in die Birkenallee so sieht man links ein älteres Backsteingebäude. Dies war eine von drei zweietagigen Latrinen die seit 1893 genutzt werden konnten. Gegenüber der heutigen Schule, hinter dem Zaun, stehen Gerätebaracken aus der Kaiserzeit. (12)

Weiter in Richtung Dreifaltigkeitskirche, die vom norwegischen Architekten Olaf Gudbrandsson entworfen und geplant wurde. Gleich an der Ecke zur Leipziger Straße ist der Hohenlockstedter Ehrenhain. (13) Hier sind verschiedene Gedenksteine und Mahnmale versammelt. Der älteste Gedenkstein erinnert an aus dem Ort stammende Gefallene des Ersten Weltkrieges, vorheriger Standort war am Soldatenheim. Das Denkmal für die finnischen Jäger stand erst auf dem Gelände an der Grundschule. Der Stein er­innert an die jungen Männer, die im Lockstedter Lager eine militärische Ausbildung erhielten und auf den Kampf in ihrer Heimat vorbereitet wurden. Das größte Mahnmal ist den Gefallenen des Zweiten Weltkrieges gewidmet. Ein Findling erinnert an die Aufstellung der 238.Infanteriedivision im Jahr 1917, die von hier aus in den Kampf an die Westfront transportiert wurde. Ein kleiner Stein er­innert an die Toten durch Flucht und Vertreibung während und nach dem Zwei­ten Weltkrieg.

Hinter der Kirche ist der Friedhof, hier findet der Besucher hinter einer Rhododendronpflanzung eine Gedenkstätte für während ihres Aufenthaltes im Lockstedter Lager verunglückte SA-Männer. Folgt man dem breiten Hauptweg, so erreicht man Kriegsgräber aus dem Ersten Weltkrieg und den Franzosenfriedhof, (14) wo auch der Rest des 1945 zerstörten Artilleristendenkmals steht. Vom Gräberfeld aus sieht man außerhalb des Friedhofes ein graues Gebäude, ein ehemalige Lok-Schuppen der Rangierlokomotive, die für die Heeresmunitionsanstalt (Muna) eingesetzt wurde. Wenn man der Finnischen Allee in Richtung Ridderser Weg folgt, wird am Lerchenweg die alte Werkseisenbahntrasse überquert. Vom Lerchenweg rechts auf den Ridderser Weg abbiegen und in Richtung Wasserturm gehen. Hart nördlich des Ridderser Weges waren zu Zeiten der Handtuchschießbahn die Feuerstellungen ausgebaut.

Mit der Errichtung des Wasserturms (16) war im Dezember 1900 begonnen worden, die Versorgung aller militärischen Einrichtungen mit Wasser erfolgte ab 1902, zivile Gebäude wurden nicht versorgt. Vier Brunnen lieferten bis zu 600 cbm Wasser pro Tag. Die Gebäude am Wasserturm waren einmal das Wasserwerkerwohnhaus und das Pumpenhaus, (17) letzteres ist heute das Museum in Hohenlockstedt. Das Museum ist geöffnet Sonntags von 1400 bis 1630 Uhr. Weitere Besuchszeiten können mit dem Herrn Achim Jabusch unter der 04826-8327 abgesprochen werden. Das Museum hat Exponate, Aufbau und Entwicklung des Lockstedter Lagers betreffend, daneben eine ständige Ausstellung über die hier ausgebildeten finnischen Jäger.

Vom Wasserturm entlang der Kieler Straße in Richtung Breite Straße. An der Tankstelle wird wieder die ehemalige Bahntrasse überquert, sie verlief Lerchenweg-Scheperskamp.

Ab dem Amselweg bis zur Birkenallee war einst der Mannschaftspark, der im Laufe des Ersten Weltkrieges mit Baracken bebaut wurde, sie dienten erst zur Aufnahme von Reservisten, dann zur Unterbringung von russischen Kriegsgefangenen. Auf der linken Seite der Kieler Straße beginnt die Parade der Bürgerhäuser. Die kleineren Gebäude wurden gebaut von den Familien Frerk, Alws und Schwarz,(18) daran schließt sich das ehemalige Hotel Kaiserhof (19) an, dessen großer Restauranttrakt sich nur noch erahnen läßt.

Während des Kaiserreiches war neben dem Kaiserhof eine zeitlang die Militärbäckerei von Schütt und Hahn. (20) Im Jahre 1909 lieferte die Firma 28.771 Kilogramm Kommissbrot, zuzüglich Feinbackwaren in unbekannter Menge, an das Militär.

Im gelben Gebäude, die Farbe ähnelt einer Hartkäserinde, ist der Meierhof Möllgaard, Mitglied der Käsestraße Schleswig-Holstein. Der Meierhof überwacht und pflegt die Endreifung bestimmter regionaler Käsesorten. Für Gruppen werden Führungen (auch in Plattdeutsch) mit Schaukäserei und Käseproben angeboten. Ein Besuch des Ladens lohnt sich. Informationen und Anmeldung unter 04826-370378. In dem Anwesen war bis 2003 immer ein Schlachtereibetrieb.

Ein Haus vor dem Stadt Hamburg war das Café Schütt, (21) wohl das damals bekannteste Cafèhaus der Gegend. Das Stadt Hamburg (22) ist das älteste zivile Gebäude im Ort und wurde um 1874 gebaut.

An der Ecke zum Lohbarbeker Weg das einstige Hotel "Zum Hohenzollern" oder später "Sörensens Hotel". (23) Zur Südseite war ein Saal angebaut, in dem Feste stattfanden aber auch dem Fotografen Vahlendick als Atelier diente. Der Hotelbesitzer hatte das erste private Telefon im Ort.

Im kleinen, grauen Haus nebenan waren ein Zigarren- und ein Friseurgeschäft. Direkt nördlich von Hülsings Hotel steht ein Geschäftshaus, das der Fotograf Vahlendick 1912 erbauen ließ. Hülsings Gasthof (24 ) selbst wird seit 1881 betrieben, 1893 zum Hotel erweitert, eine Kegelbahn kam dazu. An der Ecke zum Lazarettweg betrieb der Fotograf Laukühn sein Geschäft, (25) neben ihm war der Schneidermeister Mollenhauer angesiedelt.

Biegt man links ab und folgt dem Lazarettweg, kommt man an der Lazaretteinfahrt vorbei, hier soll noch ein Teil des Schlagbaumes stehen. Im großen Gebäude (26) waren Verwaltung, Sprechzimmer und Behandlungsräume sowie die Wohnung des Arztes. Im kleineren Gebäude befanden sich die Krankenzimmer und Versorgungsräume. Vom ehemaligen Lazarett bis zum Bahnhof (27) ist es nur ein kurzer Weg.

Die Eisenbahnanlage war im Juli 1899 bis zum Lockstedter Lager fertiggestellt, das Gebäude im April 1890 seiner Bestimmung übergeben. Geht man in Richtung Kieler Straße und schaut nach links zur ehemaligen Gleisanlage, so ist die verfallende Laderampe (28) zu erkennen, an der Straßenecke steht das einstige Schrankenwärterhaus. (29) Folgt man nun der Kieler Straße in Richtung Itzehoe, so kommt man zum ehemaligen Marktplatz. (30) Hier steht der Gedenkstein der "Militärischen Bruderschaft", welcher anlässlich der 60-Jährigen Erhebungsfeier gegen Dänemark 1908 aufgestellt wurde. An diesem Marktplatz, der ein 1896 Geschenk eines begüterten Kaufmannes war, ent­stand auch das erste Spritzenhaus der Freiwilligen Feuerwehr.

Auf dem Weg zurück zur Ortsmitte sieht man links den Komplex des 1895 gebauten Gasthauses "Zum Landhaus". (31)

Bahnhofstraße. Im ersten weißen Haus war eine Seltersfabrik, (32) später eine Bierbrauerei. Ein kurzes Stück weiter ein kleineres Backsteingebäude, Giebel zur Straße, dies war das erste Schulhaus, (33) Baubeginn 1900, später Apotheke, dann Wohnhaus.

An der Ecke Wilhelmstraße / Bahnhofstraße steht der Pferdestall, (34) der für die Pferde des Übungsplatzkommandanten gebaut wurde. Im Park dahinter das Kommandantenhaus, das 1902 bezugsfertig war. Erweiterung des Gebäudes 1984, neu ist der Trakt ab dem Treppenaufgang und Eingang zur Gemeindeverwaltung. Nach Aufgabe des Truppenübungsplatzes liegt die Nutzung des Hauses weitestgehend im Dunkeln.

An der Kreuzung zum Bahnhof stehend, schaut man auf das einstige Soldatenheim. (35) Der endgültige Bauplan stammt von dem Architekten Fritz Höger. Das Haus wurde aus Spenden der Bevölkerung gebaut und im Jahre 1912 eröffnet. Nach dem Krieg erst ein Altenheim des DRK, dann bis 1963 evangelische Kirche. An der Seite wurde ein Glockenturm angebaut. Bis heute Gaststätte, war aber auch Kino.

Neben dem Kommandantenhaus war an der Chaussee ein Wohngebäude für Offiziere mit deren Familien. (36) Dieses Gebäude nutzte die Gemeinde Hohenlockstedt lange Jahre als Verwaltungsgebäude, heute ein Alten- und Pflegeheim.

Auf der anderen Straßenseite das Cafè Soth. (37) Hier wird das Bäckerhandwerk seit der Errichtung des Gebäudes im Jahre 1899 ausgeübt. Das Anwesen gehört zu den ältesten am Ort. Daneben stand das Haus des Uniformschneiders Wilhelm Haase.

Weiter in Richtung Ortsmitte liegt linker Hand das ehemalige kaiserliche Postamt. (38) Das Gebäude wurde im September 1901 seiner Bestimmung übergeben. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Schriftzug "kaiser­lich" von Aufständischen entfernt, erst kürzlich wurde er wieder angebracht.

An der anderen Ecke war ein Wohnhaus für zwei bei der Kommandantur eingesetzte Feuerwerker (39) mit Familien, daneben das Wohnhaus für höhere Beamte der Garnisonsverwaltung. (40)

Kurz darauf erreicht man wieder den Ausgangspunkt der Tour. Damit wäre der Rundgang beendet, er dauert zwei Stunden, wenn keine Pause eingelegt wird, eine Rast ist aber zu empfehlen, dazu bieten sich Konditoreien oder der Käseladen an.

Anhand des Planes kann eine kürzere Route zusammengestellt werden.

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