Der Feldflugplatz Hohenaspe

1935 erfolgte eine Änderung für die Nutzung des Geländes. Der südostwärtige Teil des Exerzierplatzes(1) wurde dem Itzehoer Kloster übereignet. Es beabsichtigte, das übernommene Gebiet aufzuforsten. Die Klosterverwaltung plante und baute ein Gebäude für den künftigen Forstwart. Am 06.12.1936 bezog der Forstwart Herr H. Vogt und seine Familie das Haus. Heute ist das Haus im Besitz des Bun­desvermögensamtes, es steht außerhalb des Flugplatzes an der B 77. Gleich zu Beginn des Jahres 1937 bereiteten Häftlinge aus dem Gefängnis Itzehoe unter Aufsicht von Herrn Vogt das Gelände südlich des Verbin­dungsweges Hohenas­pe-Rendsburger Chaussee für die Baum­pflanzung(2) vor. Ende 1938 war das Areal auf­geforstet und ein neues Gebiet sollte in Angriff genommen werden, als die Aufforde­rung an das Kloster erging, das 1935 erhaltene Gelände wieder an den Staat zurück­geben. Die verfügte Enteignung sollte ausreichende Platzver­hältnisse für den vom Reichsluft­fahrtministerium geplanten Flugplatz mit den dazu­gehörenden Unterkünften schaffen. Der Feldflugplatz hätte damit eine verfügbare Größe von 250 ha gehabt, diese Fläche schien angemessen für die dem Flugplatz zuge­dachten Aufgaben. Bereits Mitte 1935 war im Reichsluftfahrt­ministerium die Pla­nung, für den Bau eines Feldflugplatzes bei Hohenaspe, abge­schlossen. Der Aus­bau sollte ursprünglich mit dem Aufbau der Heeres-Munitions-Anstalt im Lockstedter Lager zeitlich einhergehen. Rückwirkend zum 01.04.1935 trat die vom Ministerium befohlene Nutzungsdauerbeschränkung der Flächen für den geplanten Flugplatz in Kraft. 1936, also lange vor Kriegsausbruch, war bereits abseits der aufgeforsteten Flächen auf dem verbliebenen Gelände ein den damaligen Vorschriften entsprechendes feldmäßiges Rollfeld festgelegt und Vorbereitungen getroffen worden, den Feldflugplatz(3) eventuell als Einsatz-Hafen II-Klasse einzu­richten. Die Möglichkeit der landwirtschaftlichen Nutzung des Rollfeldes sollte, schon aus Gründen der Tarnung, weiterhin gegeben sein. Der Feldflugplatz lag im Zuständigkeitsbereich des Luftkreis II, Luftgau 3 (Hamburg), Leithorst Lübeck-Blankensee. Am 26.08.1939 wurde die Fliegerhorst Kommandantur E Hohenaspe aufgestellt und unterstand dem Flughafenbereichskommando 3/XI in Schleswig. Im März 1940 umbenannt in Fliegerhorst Kommandantur E7/XI und mit gleichem Termin gehörte der Platz zum Luftgau-Kommando XI (Hamburg-Blankenese). Für die Versorgung mit Luft­nachrichten und anderen für die Fliegerei wichtigen Informationen war er dem Flughafenbereich 6/XI, (Lübeck-Blankensee, gleichzeitig Leithorst) unterstellt. Im April 1940 wurde die Fliegerhorst Kommandantur aufgelöst, die Dienstaufsicht über den Feldflugplatz übte fortan der Kommandeur des Flughafenbereiches 6/XI aus. Es ist zu vermuten, daß seit 1940 die erforderliche Unterstützung hier stationierter Einheiten an den Kommandanten des Fliegerhorstes Uetersen und das Flugplatzkommando A 21/XI delegiert war. Am 01.09.1939 wurde mit dem Bau von Unterkünften, begonnen. Der Bauleiter der Akti­on war im Hause der Familie Vogt untergebracht. Für seine Tätigkeit war extra ein Te­lefonanschluß ins Vogt'sche Haus gelegt worden. Überall in der Umgebung, auch im Holsteiner Wald, lagen die Bausätze für die Baracken bereit. Soldaten einer Baukompanie, allesamt Hamburger Hafenarbeiter waren in Itzehoe in der Suder Schule untergebracht, Frühstück und Abendessen gab es für sie im beschlagnahmten Saal des Hotel Adler. Der Sohn des Inhabers verkaufte damals bezugsmarkenfrei­en Kaffee und Kuchen an die Soldaten. In der Gaststätte ging es hoch her wenn am Sonntag die Frauen der Soldaten kamen. "Dann haben sich die Männer mächtig einen geballert, die konnten abends kaum noch ste­hen." Nach etwa einem Monat waren die ersten Baracken auf dem Hungrigen Wolf durch die Bausoldaten aufgestellt, in diese zogen die Bausoldaten um. Die zehn Holzgebäude, neun Mannschafts-/Funktionsba­racken und die Wirtschaftsbaracke die errichtet wurden, standen nicht alle auf festen Fundamenten und waren bis auf die Wirtschaftsbaracke nicht unterkellert, man konnte jedoch unter die Gebäude kriechen und Material verstauen. Jede Baracke hatte an einer Stirnseite in einem abgetrennten Raum sechs Toiletten ein­gebaut. Auf der anderen Seite des Ganges war eine

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Waschküche mit einem beheizbaren Waschkessel und einem großen vierecki­gen Steintrog zum Spülen der Wäsche. Der Fuß­boden beider Räume war betoniert, ein Abfluß in der Mitte des Raumes eingelassen. Toiletten und Waschküche waren an eine unter­kunftseigene Sickergrube angeschlos­sen. Die Bauplanung sah keine massive Abdeckung der Sickergruben vor, das blieb auch so bis zur Auflösung des Flüchtlingsdurchgangsla­gers Hungriger Wolf. Die Unterkünfte waren in erster Linie für Soldaten vorgesehen, die für den Betrieb des Feldflugplatzes hierherkommen sollten. Im Unter­kunftsbereich gab es ein kleines Wasserwerk, das von einem 35 m tiefen Brun­nen versorgt wurde. Dieser Brunnen speiste auch den 12x14 m großen Feuerlösch­teich, der vorsichts­halber angelegt worden war. Während die Bausoldaten die Unter­künfte errichteten, rodeten Häftlinge des Gefängnisses Itzehoe wieder einen Teil der von ihnen gepflanzten Bäume. Der Flugplatz Hohenaspe lag unter einem ständigen Blindfluggebiet der Luft­waffe, das begrenzt wurde vom Kaiser-Wil­helm-Kanal sowie den Orten Kiel, Neumün­ster, Itzehoe und Hochdonn. Flugbetrieb wurde auf dem Feldflugplatz Hohenaspe ab und zu mit entsprechenden Maschinen geprobt. Eine über das Rollfeld verlaufende Hochspannungsleitung gefährdete den Flugbetrieb erheblich. Auf der Fliegerkarte der Luftwaffe "Norddeutschland" von 1939, auf der unter anderem die Flugplatz­decknamen der Plätze im norddeutschen Bereich eingetragen sind, fehlt Hohenaspe im Gegensatz zu Neumünster, Hartenholm und Stade. Mit Beginn des Jahres 1940 wurde das Lager am Hungri­gen Wolf Melde- und Sammelstelle für Soldaten, deren Einheiten in ihrem Urlaub umgegliedert oder aufgelöst worden waren, sowie für genesene Frontsoldaten, die beim Flieger-Er­gänzungs-Bataillon XI auf den Kriegseinsatz bei der Luftwaffe vorbe­reitet wurden. Am Hung­rigen Wolf waren zwei und in Neumünster drei Kompanien des Bataillons stationiert. Kommandeur war ab 01.02.40 OTL Mühlig-Hofmann, Albert. Das Flieger-Ergänzungs-Bataillon XI, umbenannt seit 23.04.1942 in Flieger-Ersatz-Bataillon ging im Laufe des Krieges in der 11.Luftwaffen-Felddivision auf. Das Barackenlager hatte eine normale Aufnahmekapazität von 430 Uffz und Mannschaften, bei engster Unterbringung sogar von 860 Männern. Für Kraftfahrzeuge standen als Abstellmöglichkeit 70 qm unter Schleppdächern zur Verfügung. Aus einer Übersicht des Kommandos Flughafenbereich 6/XI (Lübeck-Blankensee) an das Luftgau Kommando XI, Stand 01.Mai 1942 geht hervor, daß 8 Soldaten, 3 Offiziere, 1 Unteroffizier und 4 Mannschaften, in Verbindung mit der Belegung des in Neuaufstellung befindlichen Luftwaffen-Ersatz-Bataillons XI hier stationiert waren. Das Flieger-Ersatz-Bataillon XI war bereits einen Monat nach Neuaufstellung auf 599 Soldaten angewachsen. Die Einheit setzte sich zusammen aus 11 Offizieren, 127 Unteroffizieren und 461 Mannschaften und verfügte über 6 Kraftfahrzeuge, davon waren zum Zeitpunkt der Meldung drei am Hungrigen Wolf. Am 06.Mai fand eine Besichtigung des Bataillons durch Oberst Prestin, Kommandeur des Flughafenbereichs Lübeck-Blankensee, statt. Weitere Besichtigungen folgten in beinahe wöchentlichem Abstand. Bei der Visite am 27.05. besuchte er auch die Scheinwerfer-Stellung in Hohenaspe. (Heute Gelände der Spedition Ohl.) Das Bataillon verlegte am 18.Juli in einer Stärke von 10 Offizieren und 428 Mannschaften im Bahntransport vom Lockstedter Lager nach Neumünster.

Nach Ausbruch des Krieges bildete deutsches Fachpersonal hol­ländische Feuerwehrleute und Luftschutzhelfer auf einem Luftschutzlehrgang am Hungrigen Wolf aus. Wieviele Teilnehmer es waren, kann nicht mehr festgestellt werden, nur so­viel ist mir bekannt, daß alle in einer Baracke untergebracht waren. Beson­ders gedrillt wurde von den Ausbildern das Verlegen von Schlauchleitun­gen, vom Feuer­löschteich im Lager entlang der Rendsburger Chaussee zum Schafstall gegenüber der Gaststätte Gräber oder zu den angenommenen Brandherden im Holstei­ner Wald. Dabei mußte jedesmal die Rends­burger Chaussee überquert werden. Grund­lage für die Feuer­löschausbildung war die seit dem 03.02.1939 in Kraft gesetzte "Ausbildungsvor­schrift für den Feuerwehrdienst, Teil I, Der Löschangriff".

Dort wo heute der Kontrollturm steht, lebte und wohnte bis 1942 Herr Emil Keitel, genannt "Emil Schrubbermacher" oder der "Einsiedler". Zum einen beschreibt die Benennung die Tätigkeit, der er hauptsächlich nachging, zum anderen aber auch seine Lebensweise. Herr Keitel war ein Vetter des deutschen Generals Wilhelm Keitel. Er und ein Gefährte, Johann Mahler, der einige Zeit mit ihm zusammen war, stellten kleine "Topfschrubber" aus Besenheide, die hier überall wuchs, her. Die Besonderheit an ihrem Leben war, daß sie in Erdhöhlen hausten, die in ehemalige Grabhügel eingegraben worden waren. Herr Keitel und Mahler wohnten zuerst zusammen in einem Erdhügel. Ein zweiter Erdhügel, der gleich nebenan war wurde nur von Pimpfen der HJ und dem Schäfer genutzt. Dieser zweite Hügel war oben offen und wurde von Zeit zu Zeit mit Tannenreisig nach oben abgedichtet. Auf das Reisig wurden Grassoden zum Schutz gegen Regen gelegt. An irgendeinem Morgen war der Hügel nicht mehr für die Pimpfe verfügbar. Herr Mahler hatte sich einquartiert. Herr Mahler hatte seinem Gefährten in der ersten Zeit ihres Zusammenlebens klarzumachen versucht, daß sie ein Flugzeug bauen sollten. Über erste gedankliche Entwürfe kam das Projekt aber nicht hinaus und der Gedanke wurde außerdem von Herrn Keitel durch dessen demoralisierenden Sprüche torpediert, was dazu führte, daß Herr Mahler den Hungrigen Wolf kurz darauf verließ. Herr Keitel erzählte, daß er das schwarze Schaf der Familie gewesen sei und sich überall, auch auf See umgesehen hätte. Durch sein unstetes Leben sei er im Umgang mit Menschen vorsichtig geworden. Seinen Lebensunterhalt beschaffte er sich auch durch Gelegenheitsarbeiten bei den Bauern. Zu Weihnachten kam jedoch jemand zu ihm, der ihm Geld brachte. Herr Keitel meinte einmal, daß die Familie ihn doch nicht ganz hätte fallen lassen. Leute aus der Umgebung hatten die hier hausenden Männer sehr schnell als entwurzelt bezeichnet, weil sie sich nach dem Ersten Weltkrieg im umgekrempelten Deutschen Reich nicht mehr zurechtfanden. "Emil Schrubbermacher" züchtete Kaninchen und hatte nach landläufiger Meinung den besten Rammler der Gegend im Stall, also pilgerte die Bevölkerung mit den Häsinnen(4) zu "Emil Schrubbermacher". 1941 oder 1942 wehrte er sich vehement

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gegen die Aufforde­rung der Obrigkeit seine Höhle zu verlas­sen, mußte aber schließ­lich doch der Gewalt weichen. Um 1940 waren in den Unterkünften am Flugplatz etwa 230 junge Frauen aus allen Teilen des Reiches untergebracht, vorwiegend aber aus der Gegend um Ham­burg. Die Frauen arbeiteten als Produkti­onshelferinnen in der Muna (Heeres-Munitions-Anstalt) im Lockstedter Lager. Oft wurden sie mit einem Dop­peldeckerbus, der ehemals den Berliner Verkehrsbetrieben gehörte, zur Arbeit gebracht, ansonsten legten sie die Strecke zu Fuß zurück. Gleichzeitig mit den jungen Frauen waren in einer separaten Baracke Handwer­ker (Maler, Maurer, Tischler etc.), die ebenfalls in der Muna arbeiteten, unterge­bracht. Ab 1942 waren die Helfe­rinnen in der Muna einquartiert. Sie waren untergebracht in den ehemaligen Pferdeställen Nummer 4, 8, 12 und 16 an der Post Straße.(5)

Im Lock­stedter Lager arbeite­ten damals auch 195 Fremdarbei­ter verschiedener Nationalität (Polen, Russen, Letten, Esten). Ob alle am Hungri­gen Wolf ein Quartier hatten, ist nicht ganz sicher, es würde einiges erklären und wieder neue Fragen aufwerfen. Beim Ausbau des Flugplatzes 1959 fanden Bauar­beiter im "Russenwäldchen" Grab­steine mit kyrillischer Schrift. Die Grabsteine lagen seit dem Ausbau an der Feuerwache, waren aber nach dem Umbau der Feuerwache 1979 ver­schwunden.(6) Die Jungen des HJ-Zeltlagers 1942, die hier ihr achttägiges Pfingstla­ger hatten, betrachteten die sanitären Zustände in der Nähe der Fremdarbeiterba­racke mit Abscheu. Sie waren fest davon überzeugt, daß sich die Bewohner nur auf einem "Donnerbalken" wohl­fühlten. In den Jahren 1942 bis 1943 waren im Wehrertüch­tigungslager zwei Luftnachrichtenkompanien stationiert. Eine Stammkompanie und eine Funkfernschreib­ausbildungskompanie, die eine zeitlang Telegrafieverkehr mit dem Afrikakorps aufrechterhielt. Es wurden auch Luftwaffenhelferinnen, die in Itzehoe auf dem Gasplatz(7) in Baracken untergebracht waren, ausgebildet. Man kann heute noch von Glück sprechen, wenn man darüber nachdenkt, daß die Dorfschaft Hungriger Wolf und der Feldflugplatz Hohenaspe 1943 nur durch Zufall einer ungewollten Bom­bardierung entgingen. Ein englischer Bomber, der von einem Nachtjäger verfolgt und schwer beschädigt worden war, klinkte bei der Dorfschaft drei Bomben aus. Sie detonierten nordwestlich der heutigen Kreuzung Hohenaspe-Hohenlockstedt-B77 in einer Entfernung von 300-500 m von den Häusern und rissen tiefe Bombentrichter. Die Detonationen waren im Lockstedter Lager zu hören. Die Männer am Hungrigen Wolf fielen vor Schreck aus den Betten. "So standen mir im ganzen Leben noch nicht die Haare zu Berge", sagte Herr Ehlers, der Führer der Muna-Handwerker im Lager. (Zu diesem Zeitpunkt hatte Herr Ehlers bereits eine Glatze!) Auch der "Hausmeister" des Lagers, Herr Vogt, benötigte längere Zeit um sich von dem Schrecken zu erholen. Soviel Glück wie die Dorf- und Lagerbewohner hatte die Besatzung des Bombers nicht. Sie führte eine Bruchlandung in der Nähe des Dorfes Mehlbek durch. Zu Beginn der Sommerferien rückten, wie alljährlich, die Hitler-Jungen und Pimpfe in die Sommerlager ein. Der Bann Steinburg führte in diesem Jahr drei Lager im Wehrertüchtigungslager Hungriger Wolf durch. Die erste Lagerperiode fand in Anlehnung an das Wehrertüchtigungslager vom 10.-21.Juli statt. Vom 22.Juli bis 02.August schloß sich das zweite Lager für die Hitler-Jugend an, das Lager für die Pimpfe vom 03.-14.August bildete den Abschluß. In den Lagern soll­ten die Jungen auf den Erwerb der Leistungsabzeichen vorbereitet werden. Jugendfilmstunden, Heimabende und viele weitere Veranstaltungen sollten Abwechs­lung in das Lagerleben bringen. Die Sondereinheiten der HJ erhielten eine Spezialausbil­dung. Die Nachrichten HJ verlegte Fern­meldekabel und stellte Fernmeldeverbindungen im Barackenlager zwischen den einzelnen Gebäuden her. Ihre Vermittlung war in der Wirtschaftsbaracke untergebracht. Die Motor-HJ wurde im theoretischen wie auch im praktischen Dienst geschult. Der Führerschein Klasse IV und weitere Abschlußprü­fungen waren das Ziel.

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Durch das Deutsche Rote Kreuz erhielt ein Teil der Jungen eine Spezialausbildung, so daß die Teilnehmer nach bestandener Prüfung als HJ-Feld­scher eingesetzt werden konnten. Das zweite Lager war besonders für die im Berufs­leben stehenden Jugendlichen gedacht. Während des 10tägigen Sommerlagers der HJ vom 11.-21.Juli 1943, an dem auch Kinder des Kinderheimes Itzehoe teilnehmen muß­ten, sah die teilnehmende Hitler-Jugend zum erstenmal den harten Drill der Ausbil­dung, dem Soldaten der SS(8) unterworfen waren. Das Positive an der Tatsache, daß SS hier war, war für die HJ, daß von der hervorragenden Verpflegung der Soldaten mancher Happen für sie abfiel. Den Abschluß des Sommerlagers vom 11.-21.Juli bil­dete ein halbtägiges Geländespiel, das in Richtung Itzehoe ablief. Am Nachmittag war am Stadtrand von Itzehoe sammeln, dann marschierten die HJ von den Fähnlein 6,7,8,und 9/418 durch die Straßen von Itzehoe. Der Umzug endete mit einem schnei­digen Vorbeimarsch am Bann-Führer. Im Wehr-Ertüchtigungslager wurden aber auch Landesschützen ausgebildet, die in Landesschützenregimentern oder -bataillonen zusammengefaßt wurden. Die Einheiten wurden aufgestellt aus Männern, die laut Wehrgesetz vom 21.05.1935 im Kriegsfall für den Landsturm vorgesehen waren, vorwiegend Männer über 45 Jahre. In der Landesverteidigung wurde jeder eingesetzt. "Es war eine Schande zu sehen und zu hören, wie die Ausbilder mit den Leuten umgingen. Für einen geistig wenig beweglichen Mann empfand Herr Ehlers es als erniedrigend, daß dieser vor die Front treten und schreien mußte, er sei der größte Idiot den die Kompanie je gehabt habe. Die Kompanie gehörte zum Landesschützenbataillon 655, das 1942 in Itzehoe aufgestellt und für die Kriegs­gefangenenbewachung eingesetzt wurde.

Laut Flug­bucheintragung überflog Oberfeldwebel H.Rühlmann, kurz vor Kriegsende am 26.03.1945 um 1010 Uhr, mit einer Me 108-B "Taifun" auf einem Kurierflug von Schwerin nach Hohn(9) den Hungrigen Wolf und sah dort vier Me 109, stehen. Auf dem Hungrigen Wolf machte eine Instandsetzungseinheit Zwischenstation. Damit erklärt sich auch die Aussage von Augenzeugen, daß der Langstückener Weg von Zeit zu Zeit durch Solda­ten abge­sperrt wurde, wenn Flugzeuge kamen. Von Herrn Rühlmann wurde mir berichtet, daß sich "Spanische Reiter" und andere Hindernisse auf dem Rollfeld befunden hätten. Dieser Hinweis wurde von mehreren Personen bestätigt und ergänzt, daß aus Furcht vor einer Landung der Alliierten schrägstehende Pfähle scheinbar wahllos auf dem Rollfeld eingerammt gewesen wären und die "Spanischen Reiter" nur auf der "Landebahn" gestanden hätten.

Die Reichsbahndirektion Hamburg-Altona nutzte vom Sommer 1943 bis März 1945 das Barackenlager als Ausweichdienststelle, weil Hamburg aufgrund der ständi­gen Bombar­dierung nicht mehr sicher war. (In der Nacht zum 11.10.1940 geriet z.B. der Dach­stuhl der Reichsbahndirektion nach mehreren Brandbombentreffern in Brand.) Für diese Dienst­stelle wurde eigens die Bahnhaltestelle Hungriger Wolf einge­richtet. Sie befand sich westlich von Schlotfeld und nördlich vom "Blauen Lap­pen", wo frü­her die Gleise der Reichs-/Bundesbahn die Rends­burger Chaussee querten. Heute ist am ehemaligen Bahnübergang ein Parkplatz. Morgens wurde das Reichsbahnpersonal,(10) das in der Umge­bung kein Quartier hatte, mit einem Bus der Reichsbahn von der Halte­stelle abgeholt, zur Dienst­stelle gebracht und abends wieder zurück transportiert. Die Reichsbahn-Ausweichstelle wurde postalisch über Schlot­feld, Postleitzahl 24b, ver­sorgt. Die Reichspost errichtete im Lager eine Post­nebenstelle, mit täglichen Schal­teröffnungszeiten von 1800-1930 Uhr, Geldanwei­sungen konnten Freitags einge­zahlt werden.

Am Pfingstmontag 1943 explodierte ein amerikanischer Bomber vom Typ "Superfestung" direkt über der Ortschaft Silzen, die Teile der Maschine lagen weit verstreut in der Gegend. Die zehnköpfige Besatzung war ums Leben gekommen. Die Absturzstelle war ein Anziehungspunkt für die Bevölkerung der umliegenden Dörfer. Herr H.Struve erzählte mir, daß der Pilot noch in seinem Sitz festgeschnallt gewesen wäre, Soldaten wären gekommen und hätten die Leute von der Absturzstelle vertrieben.

Im März 1944 wurde ein Bomber mit englischen Hoheitsabzeichen in der Nähe von Peißen beschossen und getroffen. Die Besatzung verließ die Maschine rechtzeitig und rettete sich mit dem Fallschirm, sie wurden bei der Landung gefangen genommen. Das abgeschossene Flugzeug schlug auf den "Boldwiesen" etwa einhundert Meter südlich des Ortsausganges von Peißen auf, auch hierüber berichtete mir H.Struve.

Zur Sicherung der Einrichtungen wurden Mitte 1944 rund um das Lager von einem Arbeitskommando Felpostenstellungen vorbereitet und Schützengräben ausgehoben und diese als Verteidungsstellungen vorbereitet. Kurz vor Kriegsende lagerte das Itze­hoer Lazarett(11) eine Genesenden-Kompanie an den Hungrigen Wolf aus. Das Itzehoer Lazarett war behelfsmäßig in Nordoe, in der NSKK-Motorsportschule "Adolf Hünlein" eingerichtet, heute Funkmeß­stelle der Telecom. Die Entlassung von geringfügig Verletzten und Verwundeten fand vom 15.-17. Mai 1945 statt. In den letzten Kriegstagen, nach erfolgter Teilkapitulaton, diente der Flugplatz mit dem Barackenlager der Armeegruppe Blumentritt als Quartier für den Hauptgefechtsstand. Gleich nach dem Zusammenbruch des Reiches und der bedingungslosen Kapitulation 1945 dienten einige Baracken unter anderem auch zur Internierung von Kriegsgefangenen der Luftnachrichtentruppe, die für die Teilnahme an der englischen Luft­verteidigungsübung "post mortem", die in Dänemark und Schleswig-Holstein bis Ende Juli 1945 durchgeführt wurde, vorgesehen waren. Der größere Teil der benötigten Truppe lagerte

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jedoch im und um das Lockstedter La­ger. Drei Offi­ziere der Luftnachrichtentruppe waren von Mai bis August 1945 bei der Familie Gruber in Springhoe interniert und unterge­bracht, sie waren Teilneh­mer an der Übung "post mortem". Familie Gruber hatte für Unterkunft und Ver­pflegung der Offiziere zu sorgen. Während der Übung "post mor­tem" mußten die LN-Soldaten in den Stellungen und an den Geräten, die sie bei Kriegsende ver­lassen hatten, den englischen Offizieren vorführen, wie das deut­sche Flugab­wehrsystem konzipiert war und wie es funktionierte. Nach der Übung wur­den die meisten der Soldaten über die Entlassungsstellen Heide und Silberstedt entlassen. Ein Rest der Truppe, 7 Offz, Beamte u.s.w., 24 Uffz, 45 Mannschaften und 2 Luftnachrichten-Helferinnen bestand noch bis 14.09.45.

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1 Heute Unterkunftsbereich bis zur südlichen Ringstraße.

2 Viele der Bäume, die heute am Platz sterben, sind damals gepflanzt worden.

3 Feldflugplätze waren im allgemeinen für den Einsatz leichter Verbände, wie Aufklärer, Jäger oder Schlachtflieger, die ihre eigene Bodenorganisation mitbrachten, bestimmt. Feldflugplätze waren ohne Flugleitung mit Beobachtungsturm und ohne Wetterberatungs- und Bild/Kartenstelle. Weiterhin fehlten Flugzeughallen. Die Plätze hatten in den wenigsten Fällen Wasser- und Abwasserversorgung, generell fehlte die luftnachrichtentechnische Ausstattung für das Fliegen unter allen Wetterbedingungen. Nach dem Ausbau zum E-Hafen II Klasse konnten auch andere Verbände den Platz nutzen. Bei Kriegsbeginn gab es im Deutschen Reich 250 Flugplätze und 150 Feldflugplätze. Zu den Abmessungen siehe unter 1960 Fußnote 1.

4 Rammler und Häsinnen sind männliche bzw weibliche Wildkaninchen

5 (Im Jahre 2004 erinnerten sich noch mehrere Bewohner des Ortes an die "Russenmädchen". Sie waren ihnen im Gedächtnis geblieben, weil die jungen Frauen in der arbeitsfreien Zeit sangen und tanzten und auch sonst fröhlich gewesen sein sollen.)

6 Von den Fremdarbeitern verstarben: 1943 vier Polen, 1944 ein Pole, 1945/46 sechs Russen, fünf Letten, ein Este und ein Pole. Von den verstorbenen Polen starben zwei durch den Strang, beide verurteilt durch deutsche Sondergerichte. Das Verbrechen des einen war, daß er ein intimes Verhältnis mit einer minderjährigen Frau aus dem Lockstedter Lager hatte und von einem Deutschen denunziert worden war. Bei der Hinrichtung des Polen Stanislaus Krakowick am 28.05.1943 im Holsteiner Wald mußten alle Fremdarbei­ter des Lockstedter Lagers anwesend sein. Die junge Frau hatte Glück, sie wurde, da noch nicht volljährig, in ein Erziehungsheim und nicht in das KZ Ravensbrück eingewiesen. Das Todesurteil gegen den Angeklagten war für ein solches Vergehen nach den Reichsgesetzen anzuwenden.

7 Die Gebäude standen auf dem Gebiet des alten Gaswerkes an der Bergstraße/ Breitenburger Straße. Ausbilder der Helferinnen war ein zum Priester geweihter, mit Tonsur versehener Pater aus dem Münsterland, dessen Name mir als Werner Bockschmitt genannt wurde.

8 Hier gehen die Meinungen von Augenzeugen auseinander. Manche Zeitzeu­gen behaupten, daß es Angehörige einer Art Strafkompanie waren, die hier versammelt und dann ins Feld geschickt wurden, andere waren der Auf­fassung, daß es sich um Feldübungen des SS-Standortes Itzehoe gehan­delt habe.

9 Oberfeldwebel Rühlmann sollte mit seiner Ergänzungs-Nahaufklärer-Einheit nach Hohn ver­legen. Nach einem Fliegerangriff auf Schwerin-Görries, wobei alle Flugzeuge der Staffel in Flam­men aufgingen, war für ihn am 04.04.1945 um 1630 Uhr der fliegerische Teil des Krieges been­det.

10 Der Leiter der Außenabteilung litt unter Gürtelrose und Gesichtsrose. Die Frau des Schäfers Beek war bekannt dafür, daß sie Rosen besprechen konnte. Sie wurde gerufen, hat die Rosen besprochen und Linderung bewirkt. Nach drei Tagen war Besserung zu erkennen. Von diesem Herrn bekam die Familie des Schäfers auch noch nach dem Krieg jeweils zu den Festtagen ein Paket mit Lebensmitteln.

11 Das Lazarett war von Stettin nach Itzehoe verlegt worden. Auch die Auguste Viktoria Schule wurde von ihm belegt. Noch im August 1945 holte eine englische Einheit verwundete deutsche Soldaten aus dem sowjetisch besetzten Ludwigslust in Mecklenburg und lieferte sie ins Lazarett Nordoe ein.






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